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Berg- und Talfahrt der Gefuehle
Dank einem platten Reifen steht unser Flieger immer noch in Dallas und ist nicht wie geplant auf dem Weg nach San José, Costa Rica. Ich weiss mittlerweile schon fast nicht mehr wie sitzen und moechte mich nur noch hinlegen. Bin ich doch schon gut 24 Stunden unterwegs. Nach ueber zwei Stunden warten, duerfen wir den Flieger endlich verlassen und kehren zurueck ans Gate. Gott sei Dank hat das Terminal D in Dallas ein Irish Pub, so dass ich mir ein Pint Guinness goenne. Auch ein paar andere vom Flieger haben die selbe Idee, so dass wir schnell eine nette Gruppe sind. Als wir mit ueber vier Stunden Verspaetung endlich doch noch abheben, amuesieren wir uns immer noch darueber, dass wir vor lauter Guinness fast den "Final call" verpasst haben...
Der Abschied von Sam, Rick, den Kindern - von ganz Australien - faellt mir sehr schwer. Trotz dem Abschiedsschmerz freue ich mich auf Costa Rica, auf die Lations, auf neue Kulturen und Natur pur. So steige ich voller Zuversicht in die Qantas-Maschine nach Los Angeles. Es ist Samstag, 02.12.2006, 11.30 Uhr Ortszeit. Knapp 14 Stunden spaeter lande ich in L.A.. Es ist immer noch Samstag, 02.12.2006, 06.15 Uhr Ortszeit. Ich habe drei Stunden Zeit um durch die ganze Migration zu gehen: Passkontrolle, Fingerprints, Fotos, Gepaeck holen, neu Einchecken, Passkontrolle, Sicherheitscheck. Die mir zur Verfuegung stehenden drei Stunden nutze ich voll aus. Voellig fertig besteige ich die Maschine nach Dallas und schlafe auch gleich ein. Und immer noch ist es Samstag, 02.12.2006, 14.15 Uhr Ortszeit. Am Flughafen in Dallas habe ich - theoretisch gesehen - eine Stunde Zeit um meinen Flieger nach San José zu erreichen. In der Praxis sieht es dann etwas anders aus. Ich haette mir schlussendlich fuenf Stunden Zeit lassen koennen und den Flieger nach Costa Rica immer noch erreicht. Dank der Verspaetung bin ich wenigstens um ein paar nette Bekanntschaften reicher... Zwar nicht mehr lange, aber noch ist es Samstag, 02.12.2006, kurz vor Mitternacht. Muede warte ich auf mein Gepaeck. Die knapp 30-stuendige Reise und die 17 Stunden Zeitverschiebung zerren an meinen Kraeften. Da ich kein Zimmer reserviert habe, bin ich froh, dass Serena und Ted, zwei Bekannte vom Flieger, vorschlagen ich solle mit ihnen kommen. Sie haben ein Zimmer in einem Backpacker in San José reserviert. So verbringe ich meine erste Nacht in Costa Rica auf einer Isomatte in einem kleinen Zimmer. Da ich aber am naechsten Morgen bereits um 6.30 Uhr mit dem Bus nach Monteverde fahre, ist mir das herzlich egal. Hauptsache hinlegen, wenn auch nur fuer ein paar Stunden...
Sonnenschein, 25 Grad, ein leichter Wind und tropische Feuchtigkeit - wunderbar! Die ersten Eindruecke von Monteverde und Sabine's Finca lassen mein Herz hoeher schlagen. Leider waehrt mein Glueck nicht lange. Schon am Tag drauf setzen kraeftige Winde ein, welche den Nebel aus dem Regenwald Richtung Kueste treiben. Zusaetzlich setzt ein Nieselregen ein, der mal etwas staerker wird und dann wieder abschwaecht, aber selten ganz aussetzt. Man muss sich das so vorstellen. Monteverde liegt auf circa 1300 Meter ueber Meer am Rande des Regenwaldes. Ueber dem Regenwald haengen stetig Nebelwolken. Wenn es nun von Osten her windet, zieht der Nebel Richtung Kueste, direkt ueber Monteverde hinweg... Diese Winde, "Tempranillos" genannt, sind nicht nur fuer den Nebel verantwortlich, sondern lassen auch die Temperaturen sinken. Tja, und wann ist die Zeit der "Tempranillos"? Im Dezember und Januar natuerlich... Schnell merke ich, dass dieses Wetter meine Stimmung auf den Nullpunkt sinken laesst. Zuesaetzlich bleiben auch die ersehnten Touristen aus - zumindest in der Menge wie ich es mir wuensche. So entscheide ich mich weiterzuziehen, irgendwohin wo es warm ist. Die Entscheidung faellt mir nicht leicht, da es mir auf Sabine's Finca sehr gut gefaellt. Auch die paar Touristenritte welche ich bisher fuehren konnte, haben mir Spass gemacht. Und mit Spanischunterricht habe ich auch bereits begonnen. Trotzdem, ich mag nicht bleiben und ziehe bereits nach einer Woche weiter Richtung Kueste, in die Waerme...
Endlich ist wieder schwitzen angesagt. So habe ich mir das Wetter in Costa Rica vorgestellt. Dazu ein wunderschoener Strand, traumhaftes Meer mit riesigen Wellen, Sufer aus aller Welt - was will das Herz mehr?! Aber so wirklich an diesem Ort verweilen mag ich auch nicht. Langsam aber sicher habe ich genug von meiner "ich-weiss-nicht-was-ich-soll-geschweige-denn-was-ich-will"-Laune. Spanisch lernen wuerde ich ja schon gerne, aber so richtig passen tut es mir einfach an keiner der Schulen. Und laenger an einem Ort bleiben mag ich auch nicht. So komme ich zum Schluss: Ich gehe reisen - Nicaragua, Honduras, Guatemala! Und auf eimal strahlt die Sonne wieder hell am Himmel...
Ein letztes Mal geniesse ich den kilometerlangen Sandstrand und laufe danach den schoenen Steg entlang zurueck zum Hotel. "Cabinas Las Olas" gehoert einem Bekannten von meiner Familie und ist ein richtiger Geheimtyp: abgelegen und ruhig, die Anlage und der Strand durch einen Mangrovenwald getrennt, jedoch mit einem Steg verbunden. Und man kann wunderbar Tiere beobachten. Nicht nur in den Mangroven, sondern direkt vor der "Haustuere" oder am Beach. Nichtsdestotrotz verlasse ich bereits am naechsten Morgen diesen wunderschoenen Ort, mit dem Wissen, dass ich wiederkomme. Ende Februar mit meiner Mutter und ihrem Partner...
Von der Kueste geht es mit dem Bus nach Liberia, der Provinzhauptstadt von Guanacaste. Guanacaste ist die Provinz im Nordwesten von Costa Rica und grenzt an Nicaragua. Liberia liegt circa zwei Stunden Busfahrt von der Grenze entfernt und ich hoffe dort ein paar Infos zum Grenzuebertritt zu erhalten. Mein Lonley Planet ueber Zentralamerika liegt drum noch brav zu Hause, da diese Reise ja erst fuer Maerz geplant war... Noch bin ich aber in einem Bus nach Liberia, der sich mehr und mehr fuellt. Gemaess der Tafel im Bus duerfen 44 Personen darin Platz nehmen. Schon nach den ersten paar Stopps heisst es fuer einige Leute stehen. Mich erstaunt einmal mehr, wie selbstverstaendlich die Leute hier den Frauen mit Kindern und den alten Leuten Platz machen. Nach circa einer Stunde Fahrt ist fuer mich klar: Noch mehr Leute passen in diesen Bus nicht rein! Und ob sie tun! Kurz vor der Huegelkette erreichen wir dann Hoechststand - was fuer ein Timing. So schleppt sich der alte VW-Bus vollbeladen mit circa 80 Personen ueber die Huegel. Irgendwie erinnert mich der Kampf des Busses an meinen Kampf im Marathon. Ja liebes Schwesterherz, wir waren aber noch schneller unterwegs, als wir in Berlin in Ziel liefen. So viel zum Tempo unseres Busses kurz vor der Huegelspitze. Irgendwie schaffen wir es und gleich geht es auch wieder in fuer meinen Geschmack zu flottem Tempo runter. Dann beginnt das ganze Spiel von vorne... Der volle Bus haelt, zehn Leute wollen rein, nur zwei steigen aus, ich wette einmal mehr mit mir selber "das geht nun endgueltig nicht mehr" - und verliere zum x-ten Mal...
Im Hostel in Liberia treffe ich auf zwei Hollaenderinnen die mir allerlei nuetzliche Infos zum Grenzuebertritt geben. So mache ich mich am naechsten Morgen guten Mutes auf zum Busterminal. Es ist erst 7.30 Uhr, aber die Schlange fuer den 9-Uhr-Bus an die Grenze ist bereits ziemlich lang. Tickets kann man nur im Bus kaufen und als dieser dann einfaehrt stuerzen sich die Leute foermlich auf den Eingang. Wie soll ich bei diesem Gedraenge draussen meinen Rucksack verstauen und gleichzeitig drinnen einen Platz ergattern? Schnell merke ich, dass ich zuerst den Rucksack in die Luke schmeissen und mich dann in den Bus stuerzen muss. Gesagt, getan und mit viel Draengen und Druecken schaff ich es irgendwie in den Bus rein. Da alle Sitzplaetze schon besetzt sind, quetsche ich mich mit x anderen im Gang zusammen. Auf einmal ruft eine Stimme links von mir: "He, muchacha, venga!" Eine aeltere Frau zeigt auf einen Sitzplatz neben sich, wo zwei kleine Kinder sitzen. Dankend nehme ich das Angebot an und quetsche mich auf den Sitz. Bevor ich zu Ende denken kann, wie die alte Frau mit den beiden Kindern wohl auf einem Sitz Platz hat, bekomme ich einen suessen 6-jaehrigen auf die Knie gesetzt - sorted...
Nach zwei Stunden und einmal mehr unendlich vielen Stopps - es wird hier fuer jeden am Strassenrand angehalten - erreichen wir die Grenze. Dort heisst es erst mal Ausreisestempel bei den Costa Ricanern holen. Beim Anstehen lerne ich ein amerikanisches Paaerchen kennen, dass erstens auch nach Granada faehrt und zweitens einen Lonely Planet hat, den ich mir borgen kann. Gemeinsam machen wir uns auf Richtung Nicaragua. Zuerst muessen wir aber noch etwas Geld wechseln. Hart verhandle ich um die beste Rate. Die "Coyotes" (Geldwechsler) schmeissen einen nach dem anderen das Handtuch hin. Dank meinem schweizer Urinstinkt fuer Geld wechsle ich am Schluss mein Geld fuer die beste Rate von uns dreien. So bekomme ich fuer einen Dollar immerhin 17.90 Cordobes, wo Cori und Stevie sich mit 17.60 respektive 17.70 begnuegen muessen. Nun geht es also zu Fuss ueber die Grenze, entlangen einer unendlich langen Schlange von Trucks. Man laueft circa einen Kilometer bis man in Nicaragua ist. Keine fuenf Minuten spaeter, aber sieben Dollar aermer, haben wir unser "Visa" fuer Nicaragua...
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| Eingereicht in
Auf Achse von Nina am Dienstag, 19. Dezember 2006 |
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